Erste Hilfe

Verhalten im Notfall

  • Keine Panik
  • Unfallort sichern
  • Wer ist betroffen? Mensch und/oder Tier
  • Besitzer feststellen
  • Aktionen koordinieren
  • Unbeteiligte vom Unfallort entfernen


Checkliste

  • Was ist passiert?
  • Wann?
  • Andere Tiere beteiligt?
  • Tier sichern – eigener Schutz/Fixierung
  • Tier untersuchen
  • Erstversorgung


Handling und Transport

Vorweg: kranke Tiere sind gefährlich!!

Befinden sich Hunde in Angst oder haben sie große Schmerzen, kann es vorkommen, dass sie wild um sich beißen.

Gefährlich kann das ganze werden, wenn das Tier an einer Zoonose (eine von Tieren auf Menschen übertragbare Krankheit) erkrankt ist (z.B. Tetanus oder Tollwut).

Darum ist es immer wichtig, sich zu allererst selbst zu schützen (Maulkorb, Schlinge, Decke,…)!!

Handling


  • Von vorne auf das Tier zugehen
  • Immer ansprechen – z.B. Name
  • Keine plötzlichen Bewegungen
  • Nicht von oben auf den Kopf greifen
  • Reaktionen beobachten
  • Beißschutz (Maulkorb, Band, Schal,…)


Fixieren


  • Nicht zaghaft sein
  • So vorsichtig wie möglich
  • So fest wie nötig


Transport


  • Achtung das Tier hat Schmerzen und Angst
  • Kleine Hunde tragen
  • Große Hunde auf Decke/Brett transportieren


Anzeichen von Krankheit

  • Matt, müde, spielt nicht
  • Frisst nicht/viel
  • Nimmt ab/zu
  • Fell ist verändert
  • Trinkt viel/wenig
  • Setzt wenig/viel Harn ab
  • Durchfall/setzt wenig Kot ab

Ist ein Tier krank, zeigt es die verschiedensten („nicht normalen“) Auffälligkeiten. Das Allgemeinverhalten, also wie verhält sich das Tier in gewohnter oder ungewohnter Umgebung, bei Besuch, beim Gassi gehen, sollte bei einem erwachsenen Hund ruhig und aufmerksam sein, bei einem Welpen lebhaft und aufmerksam.

Dieses Allgemeinverhalten kann nun vermindert od. gesteigert sein.

Ein weiteres Indiz für das kranke Tier sind ein verändertes Fress- und Trinkverhalten und der Ernährungszustand.

Weiters kann man am Haarkleid und an den Horngebilden (Krallen) Anzeichen von Mangelerscheinungen, Ektoparasiten, Vergiftungen, Entzündungen uvm. erkennen.

Die Kotbeschaffenheit ist ein sehr wichtiger Anhaltspunkt! Anhand der Konsistenz, der Farbe und des Geruches ist es möglich zu erkennen, ob es sich um eine Infektion, eine Vergiftung, einen Fremdkörper oder eine Blutung handelt.

Beim Harnabsatz gilt ähnliches. Farbe und Geruch des Harns sind ebenso wichtig wie der Vorgang des Harnabsatzes. Ist dieser oftmals am Tag, unter Schmerzen oder überhaupt nicht mehr vorhanden?


Allgemeinverhalten


  • Gebaren des Tieres
  • Reaktionen auf die Umwelt
  • Körperhaltung
  • Ohrspiel
  • Blick
  • Lautgebung
  • Schweifbewegung
  • Gute Kenntnisse des physiologischen Verhaltens!

Ruhig und aufmerksam (lebhaft und aufmerksam)


Verändertes Allgemeinverhalten


  • Apathie
  • Stupor
  • Koma
bzw.
  • Übererregbarkeit
  • Exzitationen

Ernährungszustand gut
  • Minder gut
  • Schlecht
  • Kachektisch
  • bzw.
  • Sehr gut
  • Adipös


Folgen einer Adipositas

  • Lebenserwartung
  • Narkoserisiko
  • Gelenke
  • Diabetis melitus
  • Lebensqualität

Harnabsatz

  • Normale Menge
  • Weniger als normal
  • Mehr als normal
  • Veränderung der Farbe (blutig, braun, trüb)

Kotbeschaffenheit

  • Normal
  • Durchfall (breiig, flüssig, blutig, schwarz)
  • Weniger als normal (Verstopfung, fehlender Kotabsatz)


Physiologische Daten:


Innere Körpertemperatur: 38,0 – 38,5 (große Rassen) 38,5 – 39 (kleine Rassen)
Schleimhäute:„blassrosa“
Puls:80 – 100 (große Rassen)100 – 120 (kleiner Hund)
Atmung:10 – 40
Kapillarfüllungszeitunter 3 sek
Hautelastizitäterhalten


Atmung

Die Atmung beurteilt man am stehenden Tier schräg von hinten. Zuerst wird die Frequenz ermittelt in dem man 30 Sekunden zählt und mit 2 multipliziert (= Frequenz pro Minute). Ist die Frequenz beschleunigt oder verlangsamt, gibt das schon einen ersten Aufschluss über den Zustand des Hundes.

Beschleunigte Atmung

  • Anstrengung
  • Aufregung
  • Schmerzen
  • Fieber
  • Lungen- oder Herzerkrankungen

Verlangsamte Atmung

  • Bewusstlosigkeit
  • Bestimmte Krankheiten (Nieren, Diabetis melitus)
  • Beeinträchtigung des Atemzentrums (Gehirnkrankheiten)


Danach beurteilt man den Typus der Atmung. Der Hund besitzt eine betonte Brustatmung. Fällt eine extreme Betonung der Brust oder des Bauches auf, so kann man Nervenlähmungen, Schmerzen, Trächtigkeit, Tumore oder Flüssigkeit vermuten. Die Einatmung ist kürzer als die Ausatmung, dazwischen gibt es eine kleine Pause. Kommt es zur Krankheit, kann dieser Rhythmus verändert (Verlängerung der Einatmung, Verlängerung der Ausatmung) sein.

Der Puls wird an der Schenkelinnenseite der beiden Hinterbeine gemessen. Dazu zählt man 15 Sekunden lang und multipliziert mit 4. Bei Jungtieren und trächtigen Tieren ist der Puls physiologisch erhöht, im Alter kann es auch sein, dass der Puls etwas geringer ist.

Puls-Abweichungen

  • Erhöhung
    Anstrengung, Aufregung, Fieber, Vergiftung, Blutarmut, Herzerkrankungen
  • Erniedrigung
    Training, Herzerkrankungen, Vergiftung, Gehirnerkrankung

  • Die innere Körpertemperatur misst man im Mastdarm.

    Erhöhung durch
    • Fieber
    • Anstrengung
    • Hohe Umgebungstemperatur


    Untertemperatur
    • Erschöpfung
    • Kreislaufschwäche
    • Ante mortem (vor dem Tod)
    • Bei andauernden Durchfällen
    • Wenn der Anus nicht schließt

    Bei der Beurteilung der Schleimhäute werden die Lidbindehaut und die Maulschleimhaut begutachtet. Dabei achtet man auf die Farbe und auf eventuelle Ausflüsse.

    Gerötet
    • Durch eine Entzündung
    • Starke Durchblutung
    Blau
    • Ungenügende Sauerstoffzufuhr
    • Atmung oder Herz
    Gelb
    • Ablagerung von Gallenfarbstoffen
    • Leber- oder Blutkrankheiten
    Blass
    • Durchblutungsstörung (Herz-Kreislauf)
    • Zu wenig Erythrozyten
    • Zu wenig Hämoglobin

    Der Ausfluss an Auge und/oder Nase kann wässrig, schleimig, eitrig od. blutig sein. Weiters kann er ein- oder beidseitig sein, womit man schon einen ersten Hinweis auf Infektion, Fremdkörper, Polyp, oder auch Tumor hat.

    Die Kapillarfüllungszeit lässt eine grobe Beurteilung des Kreislaufes zu. Man nimmt dazu die Oberlippe und stülpt sie so um, dass man die Schleimhaut sieht. Dann drückt man auf die Schleimhaut drauf bis sie an der Druckstelle „weiß“ ist, lässt los und zählt die Zeit, bis die Farbe der Druckstelle wieder der Farbe der gesamten Oberlippe entspricht. Der Wert soll 2-3 Sekunden nicht übersteigen.

    Die Hautelastizität ist ein Gradmesser für die Dehydratation (Austrocknung). Dazu wird mit beiden Händen eine Hautfalte am Rücken hochgezogen und wieder los gelassen. Sie muss sofort verstreichen! Bei Flüssigkeitsverlusten kann die Hautelastizität geringradig vermindert oder sogar aufgehoben sein.


    Verletzungen

    • Wunden
    • Frakturen
    • Prellung
    • Zerrung

    Wunden


    • Tiefe (oberflächlich, tief)
    • Blutung (blutet nicht, schwach, stark, arteriell, venös)
    • Wundränder (glatt, nicht glatt, sauber, verschmutzt)

    Schnittwunden werden meistens durch Glas oder schafkantigen Gegenständen verursacht. Die Wundränder sind glatt und die Wunde blutet erheblich.
    Messer, Nägel und Zähne verursachen in der Regel Stichwunden. Sie sind schmäler als Schnitte und klaffen nicht. Die Oberfläche verklebt rasch und die Tiefe ist meist schwierig zu beurteilen. Bei Stichwunden werden oft tiefer liegende Verletzungen von Nerven und Gelenken nicht bemerkt.
    Bei Quetschwunden sind die Wundränder unregelmäßig gezackt. Verursacht werden diese z.B. durch Hufschlag oder durch Einklemmen in eine Tür. Blutungen sind in der Regel kaum vorhanden.
    Risswunden entstehen durch ein stumpfes Trauma wobei die Dehnbarkeit des Gewebes überschritten wird. Wundränder bzw. –flächen sind unregelmäßig zerfetzt.

    Wundversorgung


    Das oberste Ziel ist neben einer eventuellen Blutstillung immer die Prävention weiterer Wundkontamination!
    Zur Blutstillung werden entweder Druckverbände oder ein möglichst fester und lang andauernder Druck auf die blutende Stelle ausgeübt. Das „Abbinden“ von Beinen ist selten notwendig und birgt die Gefahr, die Blutzirkulation zu lange zu unterbrechen. Sollte es also einmal unbedingt notwendig sein, muss die Abbindung zwischendrin immer wieder gelockert werden!
    Die Reinigung der Wunde kann mit viel klarem Wasser geschehen oder mit desinfizierende Spüllösungen. Danach sollte sie mit einem sterilen Tupfer abgedeckt werden.

    Frakturen


    Ein Knochenbruch wird oft von verschieden starken Verletzungen umliegenden Gewebes begleitet.

    Symptome einer Fraktur sind
    • Lahmheit
    • Schwellung
    • Abnorme Gliedmassenstellung
    • Schmerz
    • Krepitation (man hört und/oder spürt beim Bewegen ein Knirschen)
    • Offen/geschlossen

    Frakturversorgung
    • Schienen
    • Gepolsterter Verband
    • In physiologischer Position
    • Offene Fraktur mit sterilem Tupfer abdecken

    Prellungen entstehen durch eine kurzzeitig einwirkende, stumpfe Gewalt, die zu einer Verletzung von Weichteilgewebe führt. Typisch für Prellungen sind Schwellung, Bluterguss, höhere Temperatur und meistens Schmerzhaftigkeit.
    Eine Zerrung von Gelenkkapsel und Bänder entsteht durch gewaltsame, übermäßige Bewegungen. Auch hier kommt es zu Schwellung, höhere Temperatur und Schmerz.


    Verbandskunde


    Ein Verband besteht üblicherweise aus folgenden Bestandteilen:
    • Wundabdeckung
    • Polsterung
    • Versteifung (wenn nötig)
    • Fixationsstoff

    Technik
    • Reinigung
    • Wundabdeckung
    • Doppelseitiges Klebeband
    • Polsterung (von unten nach oben)
    • Gelenk ober- und unterhalb miteinwickeln
    • Fixationsstoff









    Es gibt für jede Körperregion die typischen Verbände:



    oder





    Schock

    Der Begriff Schock bezeichnet in der Medizin ein lebensbedrohliches Zustandsbild, bei dem die Blutzirkulation in den Kapillaren vermindert ist. Als Folge treten eine Sauerstoffunterversorgung der Gewebe und in letzter Konsequenz Stoffwechselstörungen auf.

    Symptome:
    • Atemnot
    • Schwäche bis Koma
    • Schleimhäute blass – blau
    • Puls schnell oder langsam, schwach
    • Kapillarfüllungszeit erniedrigt
    • Zittern
    • Durchfall
    • Untertemperatur/Fieber

    Alle Formen des Schockes entstehen, weitgehend unabhängig von der Ursache, letztlich aus einer physiologischen Reaktion des Körpers, mit der dieser versucht, seinen Blutdruck zu stabilisieren. Dabei wird die Ausschüttung von Alarmhormonen wie Adrenalin und Noradrenalin gesteigert. Diese bewirken ihrerseits neben einem Anstieg der Herzfrequenz auch eine Engerstellung der Haargefäße (Arteriolen und Venolen), also Reaktionen, die zu einer Steigerung des Blutdruckes führen.

    Daher kann in der Anfangsphase eines Schocks der Blutdruck noch normal sein. Es kommt zur sogenannten Zentralisation, d.h. die Durchblutung von Herz und Gehirn soll möglichst lange aufrechterhalten bleibt.
    Die Engstellung der Haargefäße und die damit verbundene Drosselung des Blutflusses bewirkt im weiteren Verlauf eine Minderversorgung der Gewebe, so dass dort eine Hypoxie (Sauerstoffmangel) entsteht. Als Folge häufen sich vermehrt die sauren Endprodukte des anaeroben Kohlenhydratstoffwechsels (Laktat) an. Dies wiederum führt sowohl zu einer messbaren Übersäuerung des Körpers (metabolische Azidose), als auch zum Austreten von Flüssigkeit aus den Haargefäßen ins Gewebe (transkapillärer Verlust intravasaler Flüssigkeit), also dem Verlust von Blutvolumen.
    Ein Schock kann aus unterschiedlichen Gründen beginnen, unbehandelt schreitet er dann aber unabhängig von der Ursache monomorph weiter.
    • Blutverlust: Der Blutverlust führt zu vermindertem Blutvolumen (Hypovolämie), wodurch reaktiv auch die Pumpleistung des Herzens sich vermindert. Das wiederum führt zu Hypoxie und begleitender Azidose, deren Folge die Atonie der Arteriolen mit Schädigung der Kapillaren ist. Der dabei entstehende Flüssigkeitsverlust aus den Gefäßen führt wiederum zu einer Verstärkung der Hypovolämie.
    • Herzinsuffizienz: Hier ist primär die Pumpleistung des Herzens vermindert, was wiederum zu Hypoxie und begleitender Azidose im Gewebe führt, als deren Folge eine Schädigung der Kapillaren auftritt. Der dabei entstehende Flüssigkeitsverlust aus den Gefäßen führt wiederum zu einer Verstärkung der Hypovolämie.
    • Sepsis / Anaphylaxie: Eine Schädigung der Kapillaren führt zum Flüssigkeitsverlust aus den Gefäßen, also Hypovolämie. Dadurch sinkt reaktiv die Pumpleistung des Herzens und Hypoxie und Azidose im Gewebe folgen, die ihrerseits wieder zu einer Schädigung der Kapillaren führen.

    Letztlich ist es also egal, an welcher Stelle das lebensbedrohliche Geschehen beginnt, der Ablauf ist immer gleich. Es ist letztlich ein Circulus vitiosus (Teufelskreis) der auch als „Schockspirale“ bezeichnet wird.


    Therapie:


    Hier steht die Normalisierung des Blutvolumens im Vordergrund, um die Schockspirale zu durchbrechen. Grundsätzlich geschieht dies über die Gabe von isotonen kristallinen und kolloidalen Infusionslösungen.
    Als ursächliche Behandlung steht bei Blutverlusten die Blutstillung im Vordergrund.


    Was können Sie tun?


    Sauerstoffversorgung sicher stellen, indem Maul und Nase frei gehalten werden. Der Kopf sollte leicht gestreckt sein. Blutungen sollten gestillt werden bzw. mit Druckverbänden unter Kontrolle gebracht werden.
    Der Schock muss nicht sofort eintreten! Manchmal treten Schocksymptome erst nach 1-2 Stunden auf. Deshalb sollte das Tier so schnell wie möglich zum Tierarzt gebracht werden!


    Hitzschlag

    Zum Hitzschlag kommt es typischer Weise, wenn Hunde im Auto „vergessen“ werden, immer dann, wenn die Umgebung sehr heiß und schlecht belüftet ist.
    Tiere können sehr schlecht Wärme austauschen. Die Hitze führt zu einer Gefäßerweiterung und somit zu einer Minderdurchblutung der Organe. Bei einer Inneren Körpertemperatur von über 41,5°C kommt es zu Gewebeschäden.
    Gehirnblutungen, Zerstörung von Nerven und Darmschleimhaut, Störung der Blutgerinnung, Leber- und Nierenschäden sind typische Folgen.

    Symptome sind wieder:
    • Schnelle Atmung
    • Schneller Puls
    • Matt bis Koma
    • Durchfall, Erbrechen
    • Austrocknung
    • Krämpfe
    • Schock

    Beim Hitzschlag handelt es sich um einen absoluten Notfall! Unbedingt Temperatur kontrollieren und abkühlen – aber nicht zu schnell. Am besten umwickelt man Pfoten, Ohren und die Schwanzspitze mit kalten Tüchern oder kühlt das Tier mittels Ventilator und fährt so schnell wie möglich zum nächsten Tierarzt.

    Mag. Georg Egger

    Fortsetzung folgt (14)...
 
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